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„Ist die groß“! Die größte Orgelpfeife füllt fast das ganze Treppenhaus des alten Rathauses von Borgentreich. Und was für einen Ton das Monster mit seinen zehn Metern Länge erzeugt! Man fühlt die Schwingungen, hören kann man fast nichts. Die kleinste Pfeife dagegen passt bequem in die Westentasche. Das hohe Piepen, das sie erzeugt, ist ebenfalls kaum mit dem Ohr wahrzunehmen. Anschaulichkeit ist Trumpf im Orgelmuseum von Borgentreich. Vor 25 Jahren wurde es gegründet, vor einigen Jahren entstaubt und so gründlich erneuert, dass nun ein höchst lehrreicher Parcours über die „Königin der Instrumente“ entstanden ist. Warum gerade hier? Borgentreich, die Kleinstadt unweit Warburgs im Kreis Höxter, liegt im letzten Zipfel der berühmten Orgellandschaft Westfalens. Und die dem Museum gegenüberliegende katholische Pfarrkirche St. Johannes birgt einen Schatz, der die Fachleute ins Schwärmen geraten lässt. Die Orgel dort ist die größte Barockorgel Westfalens und verfügt mit der Springlade über eine Technik, von der es nur noch wenige Zeugnisse gibt. Was das ist? Es handelt sich um einen besonderen Mechanismus, wie dem Wind, anders als bei den gebräuchlichen Schleifladen oder Kegelladen, der Zugang zu dem gewünschten Register geöffnet wird. Für die Kenner liegen Welten zwischen den verschiedenen Techniken, haben sie doch Auswirkungen auf die Erzeugung des Tons und damit auf seine Qualität.
Leider ist die große Orgel, die bis 1803 im nahe gelegenen Kloster Dalheim stand und nach dessen Aufhebung auf 32 Wagen an ihren neuen Platz gebracht wurde (wofür die Helfer mit Branntwein belohnt wurden), derzeit nicht zu sehen und zu hören. Sie ist auf Kur in der Oberlausitz. Da sie zuletzt in einem überaus schlechten Zustand war, wird sie nun in Bautzen renoviert. Erst 2010 wird sie heimkehren.
Vier Jahre also noch müssen die Besucher sich mit dem Besuch des Museums begnügen. Was nicht schwer fällt, denn die sechs Themenräume sind auf eine moderne Weise lehrreich und anschaulich zugleich gestaltet. Gerade auch für Kinder, die mit Orgel meist nur „Kirche“ verbinden, öffnet sich hier eine unbekannte Welt. Registerzüge, Tasten, Kurbeln, Blasebälge und sogar eine komplette Kleinorgel laden zum Ausprobieren ein. Herzstück ist sicher der Raum mit den Registern, wo man eine schöne Auswahl aus der Fülle der möglichen Klangfarben einer Kirchenorgel vorgeführt bekommt. Posaune und Fagott, Krummhorn und Spitzflöte. Wie man sieht: Oft sind die Register nach den Instrumenten genannt, die sie imitieren. Auch einen „Zimbelstern“, der hohe Glockentöne erzeugt, ist zu besichtigen und betätigen. Und dass eine Orgel lebt, kann man hören, wenn man das Vogelregister drückt. Lebhaftes Gezwitscher erschallt, erzeugt von kleinen Pfeifen, die in Wasser getaucht werden. Kleine und große Drehorgeln ergänzen die Sammlung. Lehrreiche und auch für den Laien nicht überfrachtete Tafeln erläutern überall die Ausstellungsstücke und die mit ihnen gezeigten technischen Prinzipien. Was nicht vorzuführen ist, wird über Medien bereit gestellt. Ein Film informiert über die Funktionsweise und die Herstellung einer Orgel und auf CDs kann man sich Orgelmusik anhören, die auf verschiedenen berühmten Orgeln eingespielt wurde.
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